Bach.heute

Der Reihe Bach.heute liegen zwei Gedanken zugrunde:

1. Jede Bach-Suite hat ein eigenes "kompositorisches Thema", eine Herangehensweise, die alle Sätze untereinander verbindet. Deutlich wird das unter anderem daran, daß man sich - bei aller Offenheit der Form einer Suite - nicht vorstellen könnte, einen Satz zu transponieren und in einer anderen Suite unterzubringen. Sie haben eindeutig einen Zusammenhalt. In wie weit Bach dieses kompositorische Thema explizit verfolgt hat, und daß er es wahrscheinlich in ganz anderen Worten formuliert hätte, spielt dabei keine Rolle.

2. Wenn man dieses kompositorische Thema allgemeiner formuliert, lassen sich zeitgenössische Stücke finden, die ein ähnliches Thema aufgreifen. Der Blick hin und her durch die Jahrhunderte frischt die Wahrnehmung der alten wie der neuen Stücke auf.

Bach.heute orientiert sich nicht an historischer Aufführungspraxis, sondern betrachtet Bachs Suiten sozusagen als Flaschenpost durch die Zeit. Sie übermittelt uns eine Nachricht, die um so spannender wird, je mehr wir sagen können, was wir in der Zeit, in der wir leben, darin sehen. Unabhängig davon, wie es damals vielleicht gemeint war.

Die Beziehungen zwischen den einzelnen Stücken werden während der Konzerte anhand von Beispielen und Kommentaren deutlich gemacht. Zur CD gibt es einen ausführlichen Text im Booklet (und auch auf dieser Seite verlinkt).


Bach.heute I - Umfärbung des Gleichen (2007)

In der 1. Suite (und damit im ersten Konzert) ist das Thema die Umfärbung gleicher Ereignisse, zum Beispiel die hier sehr dominanten Orgelpunkte, bei denen ein Ton durch unterschiedliche harmonische Zusammenhänge stets eine neue Farbe bekommt. Auch Jörg Birkenkötters "Solo" und "Splitting 14" von Michael Maierhof arbeiten, wenn auch jeweils vor einem ganz anderen Hintergrund, mit solchen Umfärbungen. "Cello Counterpart" von Hans Thomalla hingegen ist ein Stück, in dem die 1. Bach-Suite für den Komponisten immer den Versteckten "Counterpart" bildete.
Eine ausführliche Beschreibung ist im Booklet-Text der ersten CD zu finden.

Programm:

  • Johann Sebastian Bach: Suite Nr. 1 G-Dur BWV 1007
  • Jörg Birkenkötter: Solo
  • Michael Maierhof: Splitting 14
  • Hans Thomalla: Cello Counterpart

Die Termine und Orte:

Cover Bach.heute I


Bach.heute II - Wann fängt etwas an - wann hört es auf? (2008)

Phrasierung bei Bach ist immer spannend, da die Grenzen zwischen Abschnitten häufig nicht eindeutig zu ziehen sind. In der 2. Suite hat er diesen Aspekt seines Komponierens noch weiter getrieben als gewöhnlich. Daher ist die Frage "Wo fängt etwas an - wo hört etwas auf?" für mich das Thema dieser Suite. Friedemann Schmidt-Mechau beleuchtet in seinem "Fehlversteck" insbesondere Fragen der Konzertsituation. Für Reiko Füting steht die Frage, wo das Komponieren aufhört im Vordergrund: "re-fraction: shadows" ist zweiteilig und im zweiten Teil wird die Urschrift des 1. Teiles durch neues Material übermalt. Zu diesem Stück gibt es auch noch die Palimpseste 1 und 2 in denen Geige und dann Klavier weitere Schichten hinzuschreiben. Nicolaus A. Hubers "wechselwirkung" macht den Bezug bereits im Titel deutlich.
Eine ausführliche Beschreibung ist im Booklet-Text der zweiten CD zu finden (die allerdings noch nicht erschienen ist).

Programm:

Die Termine und Orte:

"Dessen (Bachs) Suite Nr. 2 d-Moll BWV 1008 spielt Lorenz in schnellen Tempi, mit klaren Strukturen, und ohne romantisierende Attitüde. Am Ende, in einer geradezu wild expressiven Version der Gigue, scheint der alte Bach den Neutönern für einen Moment erstaunlich nah." Zur ganzen Kritik.

"Lorenz stellte Bach in sinnfälligen Bezug zu den zeitgenössischen Beiträgen des Konzertes und so sponn sich ein Faden durch alle Werke, an dessen Ende die auch interpretatorisch vollzogene Spiegelung des Bach-Werkes durch die Gegenwart stand." Zur ganzen Kritik.


Bach.heute III - Sequenz/Strickmuster (2009)

"Sequenz" bezeichnet eine für Barockmusik typische Figur, nämlich die Wiederholung eines Motivs (eines Musters von Tönen) auf der nächstfolgenden Tonstufe. Sequenzen sind das Thema der 3. Bach-Suite. Die Übertragung "Strickmuster" (ohne jede negative Konnotation) öffnet den Blick auf eine weite Spanne der neuen Musik. Angefangen mit Feldmans "Projection I" von 1950 in der nur das Muster vorgegeben ist, ist der nächste Schritt die "sonate" von Bernd-Alois Zimmermann (1959/60). Dieses Hauptwerk der Cello-Solomusik des 20. Jahrhunderts repräsentiert auch eine der wichtigen westlichen Strömungen, die Serialität, in der eine Tonhöhenreihe das Muster für eine ganze Komposition abgibt. Stefan Streich stellt in seinem "Jeu de Chiffres 2" (1991-99) die Frage danach, wieviel überhaupt nötig ist, um das Muster "Musik" zu erkennen. "Solo 18" von Marcus Antonius Wesselmann (2009) ist wieder sehr viel näher an der Vorlage Bach, das Stück basiert auf zwei unterschiedlichen Mustern, die sich überlagern."

Programm:

Die Termine und Orte:


Bach.heute IV - Bausteine (2010)

Programm:


Bach.heute V - (2011)

Programm:


Bach.heute VI - (2012)

Programm:


Cover Bach.heute I

Im Mai 2008 ist eine CD mit dem Mitschnitt der Konzerte erschienen. Sie ist bei meinen Konzerten sowie in Dresden im opus 61 (Wallstraße 17-19) erhältlich. Online-Bestellungen sind über diesen Link möglich. Preis: 15 Euro (+ 2,50 Euro Verpackung und Versand).

Programm:

  • Johann Sebastian Bach: Suite Nr. 1 G-Dur BWV 1007
  • Jörg Birkenkötter: Solo
  • Michael Maierhof: Splitting 14
  • Hans Thomalla: Cello Counterpart

"Nicht nur sind die klangstarken Interpretationen sowohl der ersten Bach-Suite als auch der zeitgenössischen Werke überzeugend gelungen, der Hörer erhält die Gelegenheit, das Bachsche Werk mit einem modernen Vertreter zu kombinieren und nicht nur das "Thema" (in diesem Fall "Umfärbung des Gleichen") nachzuhören, sondern seinen Horizont in Bezug auf die Möglichkeiten dieses Instruments, aber auch die Möglichkeiten heutigen Komponierens zu erweitern."
Zur ganzen Rezension.


Homepage Matthias Lorenz